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Eine andere Welt ist möglich

Ich hatte kürzlich die Chance, eine Online-Veranstaltung mit zu organisieren, die spannende Impulse lieferte. Das diesjährige Thema der Veranstaltungsreihe lautete „Leben im Wandel – von der Schönheit der Veränderung“. Und zwei Referenten haben mir dabei besonders gut gefallen, die ich euch kurz vorstellen möchte.

Da war zum einen Ulrich Grober, Publizist und Autor. Er beschrieb, dass wir vor allem Empathie bräuchten, um den Wandel zu gestalten. Seine These:

Empathie für die Um- und Mitwelt ist eine erneuerbare Ressource, von deren Wachstum das Gelingen der Großen Transformation abhängt. Wir brauchen sie in Zukunft dringender als Seltene Erden oder Algorithmen, denn sie eröffnet Möglichkeitsräume für eine andere Welt.„[1]

Herr Grober hat eine wunderbare Art, in seinen Publikationen Naturnähe mit Lyrik zu verbinden. Für mich ist es ein Genuss, seine Publikationen zu lesen. Ich empfehle euch daher, sofern ihr lyrische Zitate vertragt, „Vom Wert der Kreisläufe“ zu lesen. Darin geht er auch der Frage nach, wie wir die „neue“ Zeit verbringen, die durch die Pandemie, den Lockdown freigeworden ist.

Der andere Referent war Tobi Rosswog. Ich las sein Buch „After Work – Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit“, schon vor zwei Jahren. Daraufhin lud ich ihn zweimal zu unserer Veranstaltungsreihe ein. Er selbst lebte zwei Jahre komplett geldfrei und verabschiedete sich irgendwann von der Idee, Karriere zu machen. Inzwischen verzichtet er nahezu komplett auf Besitztümer und teilt fast alles in der Gemeinschaft. Wohnen, Essen, Mobilität, ja sogar der Kleiderschrank und das Geld wird geteilt. Jeder bringt ein, was er kann, und nimmt sich, was er braucht. Für Tobi entstehen dabei vor allem schöne Begegnungen und gelingende Beziehungen.

Er selbst sagt „Wir sind keine konsumierenden, sondern vor allem transformierende Wesen“. Damit meint er, dass wir eben nicht per Einkaufszettel wählen können, wie unsere Welt aussieht. Wer glaube, dass wir mit unserem Konsum die Welt verändern können, verleugne all unsere Gestaltungsmöglichkeiten, die jenseits des Konsums liegen. Nur weil wir bio und fair einkaufen, würden die Herausforderungen unserer Zeit nicht einfach weggezaubert. Im Gegenteil, erst wenn wir weniger konsumieren, haben wir wirklich die Chance, die Umweltzerstörung zu stoppen.

In seinem Buch beschreibt er eine Utopie, eine Welt, die frei ist von entfremdeter Arbeit. Die Argumente, die er dabei aufbringt, sind plausibel und durchschlagend. Ich kann euch das Buch sehr empfehlen.

Beide Impulsvorträge, von Ulrich Grober und Tobi Rosswog, haben mich gründlich zum Nachdenken angeregt. Ulrich Grober mehr philosophisch, Tobi eher pragmatisch. Beide skizzieren eine eine Welt, die anders, bestenfalls gesünder ist. Und das nicht in Endzeitstimmung, sondern ganz wunderbar lebensbejahend. Solltet ihr mal über einen Artikel oder eine Publikation von ihnen stolpern, dann lest ihn ruhig zu ende. Es lohnt sich!


[1] https://www.oekom.de/_files_media/zeitschriften/artikel/POE_2019_02_50.pdf, S. 50 ff

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